Diese zwei Deutschen rollen 7000 km durch Südamerika – auf Inlineskates

© Marian Sorge & Santiago Lopez

Ein halbes Jahr lang durch sieben südamerikanische Länder zu reisen und dabei fünf Klimazonen zu durchqueren und nicht weniger als 7000 Kilometer zu absolvieren ist im Grunde bereits abenteuerlich genug. Doch diese beiden jungen Männer schnallen sich dafür Inlineskates unter die Füße. Sie sind Backpacker auf Rollen

Aus einer Schnapsidee wird jetzt Wirklichkeit. Sie kennen sich von einem Skatepark. Das war vor vier Jahren, in Halle (Sachsen-Anhalt). Jetzt werden Marian Sorge und Santiago López durch Südamerika skaten, Land, Leute, Natur und Kultur erfahren. Und das alles in einer Dokumentation erzählend festhalten.

Ihre extreme Inlineskate-Tour wird sie nach Rio de Janeiro, Buenos Aires, Santiago de Chile, Bolivien, Peru und Ecuador führen. Sie nennen das Ganze BLADE VENTURES! Wir nennen es “verrückt” und haben uns mit Marian ganz kurz vor der Abreise (am 10. Oktober 2017) unterhalten.

Vorbereitung ist alles – Training mit Rucksäcken: Marian und Santiago voll auf der Rolle © Marian Sorge & Santiago Lopez

KAYAK MGZN: Wie kommt man auf so eine Reise-Idee?

Marian: Wir skaten ja sehr gern – vor allem im Skatepark. Und vor allem dieses Streetskaten so mit kleinen Tricks und so ist genau unser Ding. Also eher das, was man unter “Aggressive Skating” kennt, nicht so sehr das “Distance Blading”. 2015 war ich als Produktdesigner bei einer Firma in Bayreuth tätig, die unter anderem Skates herstellt. In der Mittagspause sah ich dann diese besonderen Skates, wie ich sie zuvor noch nicht gesehen hatte: 125-mm-Rollen, aber davon nicht vier oder fünf, sondern nur drei Stück. In der Pause hatte ich sie gleich ausprobiert, bin da rumgeheizt und war völlig begeistert. Die Dinger sind saubequem, nicht so steif wie die normalen Racingskates. Das war sicherlich das Schlüsselereignis für die Idee, mal eine Reise damit zu machen.

Okay, skaten ist das Eine – aber daraus gleich einen derartigen Trip zu machen?

Es ist ja so: Wir reisen einfach gern – wir bladen gern. Warum dann nicht mal extremes Trail Blading machen? Manche sagen auch Distance Blading. Es ist schon etwas Besonderes, so eine Tour zu unternehmen, denn neben uns gibt es vielleicht noch einen Chinesen der so etwas in der Art macht, ganz alleine – und ohne Dokumentation.
Wolltet ihr eh nach Südamerika und macht das jetzt halt auf Inlinern?

Auf Südamerika bin ich deshalb gekommen, weil ich dort noch nicht war. Südamerika klingt spannend, und ich war schon immer, schon als Kind, von dem Kontinent fasziniert. So lief das. Und ich dachte so bei mir: ‘Ey, ich kenn doch den Santiago, vielleicht hat der auch Bock, der kommt doch aus Südamerika …‘. Und dann hatte ich ihm 2015 von dieser Idee halt erzählt. So beim Bier eben. Er wollte dann gleich im kommenden Jahr los, aber 2016 war mir einfach zu früh, da habe ich erst mal mein Bachelor-Studium als Industriedesigner abschließen wollen. Das war wichtiger.

Und dann hatte ich ihm von dieser Idee halt erzählt. So beim Bier eben.

Marian Sorge
© Marian Sorge & Santiago Lopez
  • Marian Sorge (33 Jahre)
  • Aus Halle, Sachsen-Anhalt
  • Industriedesigner, selbständiger Grafiker, Fotograf und Videograf
  • Skatet seit 19 Jahren
  • Freundin; Sohn ist 1,5 Jahre alt

Wieviele Kilometer seid ihr denn schon mal an einem Tag gefahren und sah eure Vorbereitung aus?

Neben dem ganzen organisatorischen Kram haben wir hier in Halle immer wieder auch regelrechte Trainingstrips eingelegt: Schnell und intensiv, hier mal 20 Kilometer, da mal 30 Kilometer, sogar mit dem einen oder anderen Hügel – als spezielles Training auch fürs Downhill. Vergangenes Jahr dann hatten wir einen richtigen Test-Trip von Halle nach Kopenhagen unternommen, gut 600 Kilometer in 11 Tagen. Es ging uns vorrangig darum, mal herauszufinden: Wie fühlt sich das an, so 50 Kilometer am Tag auf Skates mit einem Rucksack auf dem Rücken.

Es war dann harmloser als gedacht, es war alles gut zu bewältigen. Wir haben viele Erfahrungen gemacht und wissen jetzt auch, wo die Druckstellen sind. Man wächst ja auch mit den Aufgaben. In diesem Jahr sind wir auch beim Leipziger Marathon mitgefahren, für Skater ist das ein Halbmarathon – und daher recht schnell. Aber wir konnten ganz gut mithalten, unserer Trainingszustand ist wirklich ganz passabel.

Werdet ihr jeden Tag rollen oder seid ihr auch mal normale Touristen?

Wir werden bewusst Pausen machen, allein schon wegen der Video-Dokumentation. Geplant sind um die 50 Kilometer täglich, mal mehr, mal weniger. Wir wollen jeden Werktag nutzen, wie eine Arbeitswoche. Das heißt also auch: zwei Tage frei. Wir sind relativ durchgeplant. Denn es geht ja nicht nur ums Skaten, sondern auch um die vielen schönen und spannenden Orte und vor allem die Leute, um die Menschen vor Ort. Ich habe das mal durchgerechnet: 131 Tage für das halbe Jahr auf Rollen. Das sind 6550 Kilometer, die 7000 wollen wir natürlich als magische Ziffer knacken. Die Gesamtstrecke wird etwas länger sein, wegen verschiedener Fähren und so weiter.

Wie läuft das logistisch? Wo schlaft ihr, wie ernährt ihr euch?

Wir haben jetzt endlich, wenn auch auf den letzten Drücker, ziemlich gutes Reise-Equipment beisammen. Wir werden häufig zelten. Zudem hat Santiago viele Freunde, Familie und Bekannte, und über eine deutsche Firma haben wir zusätzlich so etwas wie Stützpunkte, über die wir auch Schlafplätze organisieren können. Ansonsten müssen wir kostengünstige Hostels finden.

Ja, das mit der Ernährung ist so eine Sache. Wir müssen ganz schön fressen sozusagen, um die Kohlenhydrate aufzuholen. Ein gutes Frühstück, dafür aber kein Mittagessen – sonst fällt man in ein Mittagsloch, dann also nur Riegel, Banane Iso-Getränk. Das haben wir auf der Kopenhagen-Tour gelernt. Und dann abends noch mal richtig warm. Santi sagt, das man eigentlich überall in Südamerika für wenig Geld gut und viel essen kann.

Was sind die drei wichtigsten Sachen, die ihr aus Deutschland mitnehmt?

Puh, die drei wichtigsten? (überlegt …) Die Skates, die Kamera und der Laptop. Die Skates zum Vorankommen, die Kamera um alles festzuhalten. Und den Laptop um zu kommunizieren. Das muss einfach sein. Ja, ohne diese drei geht einfach nix. Dieser Film soll eine Mischung aus Reisebericht mit ausdrucksstarken Bildern, guter Musik und einem wiederkehrenden dokumentarischen Teil werden. Wir wollen auch Ausflüge zu den unterschiedlichsten Zielen zeigen.

Worauf könntest du auf keinen Fall bei dieser Reise verzichten?

Ich habe je ein Bild von meinem Sohn und meiner Freundin im Pass eingelegt, damit ich auch offline etwas von ihnen habe. Worauf ich mich total freue auf dieser Reise: Das ist der Besuch der Europäischen Südsternwarte ESO, wegen der genialen Teleskope, ich will da unbedingt hin und jemanden interviewen und Aufnahmen machen, timelapse und so weiter. Und dort natürlich auch Zelten. Ich bin ja kein studierter Astronom, aber das fasziniert mich schon sehr. Ich hatte mir schon mal auf Teneriffa eine Profisternwarte angesehen – sehr beeindruckend.

Santiago Lopez
© Marian Sorge & Santiago Lopez
  • Santiago “Santi” López (25 Jahre)
  • Stammt aus, Paipa bei Bogota/Kolumbien; in Deutschland seit 2013
  • Gestalter (Tattoo, Grafik, Schmuck)
  • Skatet seit gut 6 Jahren
  • Verheiratet; Tochter ist 2,5 Jahre alt

 

Was wirst du am meisten in Südamerika vermissen?

Wahrscheinlich guten Schlaf, auch wegen des Zeltens. Hinzu kommt, der Santi ist auch noch ein Schnarcher. Und natürlich meine Familie. Mein Sohn ist 1,5 Jahre alt und damit jünger als die Idee zu dieser Reise. Die Mädels sind total supportive. Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich bin gerade mit der Uni fertig, habe frei als Designer gearbeitet. Das passt alles gerade sehr gut.

Mit welchen Pleiten, Pech und Pannen rechnet ihr?

Das was wir machen, ist nicht ganz ungefährlich, wir sind auf der Straße oder auf einem Seitenstreifen unterwegs. Ein Unfall wäre der Super-Gau. Wir haben auch kleine Spiegel am Handgelenk um einen Blick nach hinten zu werfen. Wir könnten ausgeraubt werden, wir haben teures Equipment dabei zwar eine kleine, aber sehr gute Kamera. Darauf müssen wir aufpassen. Auch kann die Kamera kaputt gehen. Dass einer von uns krank werden könnte. Die immerwährende Nähe könnte ein Thema sein, glaube ich aber nicht. Ja, wir motzen uns mal an, aber das geht dann professionell weiter. Das sind dann meist nur Launen, weil wir zu wenig gegessen haben oder so.

Marian Sorge & Santiago Lopez
Die Einsamkeit der Langstreckenskater © Marian Sorge & Santiago Lopez

Was erhofft ihr euch von diesem Trip?

Wir sind total neugierig auf die Welt und haben mit unserem Sport dieses Mittel gewählt, diesen Teil der Welt zu erkunden. Das ist für uns das größte Abenteuer. Denn wir werden auch auch neugierig machen, weil es nicht so alltäglich ist. Die Skates werden uns ganz sicherlich auch Türen öffnen. Wir wollen durch einen Kontinent skaten. Und: Wir hängen sehr an dieser Dokumentation, die wir richtig schön rund dann nach der Heimreise schneiden und vertonen werden. Nicht nur für Skater, sondern Reisende und Outdoorliebhaber.
Worauf freust du dich jetzt so kurz vor Abreise am meisten? Einen Tag lang mal nichts zu machen. Im Moment stehen wir ziemlich unter Strom, die Liste der noch zu erledigenden Dinge reißt fast nicht ab.

Übrigens: Marian und Santiago finanzieren ihren Trip über Crowdfunding, wir von KAYAK unterstützen sie bei ihrem Blade-Abenteuer – wenn du auch mitmachen willst, hier findest du alle Details dazu.

Weitere Flugangebote für Südamerika:

Hinweis: Die genannten Preise für Übernachtungen und Flüge beziehen sich jeweils auf Suchen am 10. Oktober 2017, sie verstehen sich lediglich als Beispiel und können sich in der Zwischenzeit verändert haben. Die Flugpreise enthalten alle Steuern und Gebühren ohne etwaige Gepäckzuschläge der Fluggesellschaften. Die genannten Hotelpreise verstehen sich lediglich als Beispiel für eine Übernachtung und können sich in der Zwischenzeit verändert haben. Plätze stehen in begrenzter Anzahl zur Verfügung und können eventuell nicht auf allen Flügen und zu allen Terminen gebucht werden.

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