Bist du schwindelfrei? 7 Skywalks, die dir den Atem rauben

Stefan Weißenborn
Von Stefan Weißenborn
Reise-Journalist in Berlin

Nur weiterlesen, wenn du auch wirklich schwindelfrei bist

Schweißperlen, weiche Knie oder sonstige Panikreaktionen gefällig? Kein Problem mit diesen kühn in die Landschaft gesetzten Bauwerken, die nur eines zum Ziel haben: ordentlich Adrenalin freizusetzen. Bist du bereit für einen Skywalk?

7 Skywalks mit großartigen Aussichten

Bayerischer Geschmacksverstärker: Alpspix, Garmisch-Partenkirchen (Deutschland)

Man kann wohl erahnen, was die Betreiber dieser Aussichtsplattform meinen, wenn sie von einem Geschmacksverstärker sprechen: Betritt man den Alpspix steigert das das “Hochgefühl”, das man am Osterfelderkopf ohnehin hat. Die Aussichtsplattform ragt 13 Meter über die Felskante am Fuße der 2628 Meter hohen Alpspitze, Deutschlands zweithöchsten Berg (nach der Zugspitze).

Beeindruckender ist aber: Wagst du dich auf den Gitterbogen des x-förmig vom Felsen abstehenden Bauwerks, blickst du 1000 Meter tief ins Höllental Richtung Garmisch. Auch die Zugspitze lässt sich hinter der Glasfront erspähen. Du erreichst den Alpspix einfach zu Fuß ab der Gipfelstation der Alpspitzbahn. Tipp für noch mehr Aussicht: weiter wandern über die Alpspitz-Ferrata bis zum Gipfel der Alpspitze 600 Meter weiter oben.

Skywalk Alpspix Garmisch Partenkirchen
Alpspix: Wie ein schwebendes X, geformt aus zwei Stahlträgern. Am verglasten Ende der rund 25 Meter langen Stege schaust du in die Ferne – oder in die Tiefe ©Túrelio/Wikimedia Commons

Dein Weg zum Skywalk: Garmisch-Partenkirchen liegt südlich von München an der Grenze zu Österreich. Anreisen kannst du mit dem Auto, per Bahn oder mit dem Flugzeug über München. In Garmisch findest du zahlreiche Hotels und Gästehäuser.

Überhöhte Konditionen: Grand Canyon Skywalk, Arizona (USA)

Fast schon ein Klassiker unter den Skywalks ist der am Grand Canyon im US-Staat Arizona. Er wurde 2007 eröffnet und gab das Vorbild für Bauwerke in anderen alpinen Regionen ab, die folgen sollten.

Wie ein großes Hufeisen klebt das Konstrukt in 1.200 Metern auf dem Westrim über dem Colorado River, der in Jahrmillionen die Schlucht aller Schluchten formte. Den gegenüberliegenden Rand in fünf Kilometern Entfernung kann man manchmal nur erahnen. Auch am Grand Canyon macht sich die Luftverschmutzung bemerkbar.

Die Errichtung des Skywalks war unter den Hualapai-Indianern, in deren Reservat er sich befindet, nicht unumstritten. Denn in der Nähe ist der Eagle Point, eine Felsformation, die an einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen erinnert und für die Ureinwohner von mystischer Bedeutung ist. Einige Stammesmitglieder sahen die Felsskulptur entweiht. Andere argumentierten mit den Eintrittsgeldern. Und die waren von Anfang an hoch. Derzeit werden umgerechnet rund 65 Euro verlangt – immerhin ist ein Essen im Preis enthalten.

Grand Canyon Skywalk
Gewaltige Ausmaße: Der Grand Canyon ist 446 km lang, bis zu 29 km breit und 1,6 km geht es in die Tiefe ©Francisco morais/Unsplash.com

Dein Weg zum Skywalk: Von Las Vegas aus starten regelmäßig Touren zum Grand Canyon und damit zum Skywalk. Mit einem Urlaub in Las Vegas, wo es übrigens auch sehr gut bewertete Hotels unter 100€/Nacht gibt, kannst du die Natur perfekt mit der Glitzerwelt kombinieren. Wenn du es ursprünglicher magst, dann wäre vielleicht eine Übernachtung auf der Grand Canyon Western Ranch etwas für dich?

Eisige Aussichten: Glacier Skywalk, Alberta (Kanada)

Das kanadische Gegenstück zum Grand Canyon Skywalk wurde im Mai 2014 im Jasper Nationalpark eröffnet. Allerdings handelt es sich um einen 500 Meter langen Glasboden-Walkway, dessen Attraktion eine Aussichtsplattform in einer Felswand ist.

Die Aussicht kann nicht mit den Dimensionen des Grand Canyon dienen, „nur“ 280 Meter blickt man ins Sunwapta Valley hinab – was nicht heißt, dass Adrenalinjunkies nicht auf ihre Kosten kämen.

Architektonisch ähnlich, steht die Konstruktion mit 30 Metern um gut acht Meter weiter vom Felsen ab und ist so gesehen der imposantere Glasbalkon. Der Blick über die umliegenden Gipfel der Rockies ist ebenbürtig majestätisch. Das Columbia Icefield Glacier Discovery Center, von dem aus kostenlose Shuttlebusse zum Hufeisen fahren, erreichst du über den Icefields Parkway. Allein diese Bergstraße bietet schon fulminante Aussichten auf die Berge und den Gletscher. Der Eintritt: umgerechnet ca. 22 Euro, Kinder zwischen 6 und 15 zahlen die Hälfte.

Glacier Skywalk Kanada
Im Winterhalbjahr ist der Glacier Skywalk aus Sicherheitsgründen geschlossen ©Mark Pitt Images/Shutterstock.com

Dein Weg zum Skywalk: Um nach Banff zu gelangen, fliegst du am besten über Calgary und fährst dann mit dem Mietwagen weiter. Im Banff-Nationalpark gibt es tolle Hotels, u.a. mit einer grandiosen Aussicht auf die Berge.

Fast ein Kunstwerk: Cabo Girão Skywalk, Madeira (Portugal)

Geht es um spektakuläre Aussichten, sind Superlative kein schlechtes Rezept. Um die 2.000 Menschen besuchen Europas höchste Steilklippe Cabo Girão auf Madeira am Tag. Die senkrechte Abbruchkante der portugiesischen Atlantik-Insel ist eine ihrer größten Touristenmagnete und ist für viele das i-Tüpfelchen, die Reise dorthin anzutreten (darunter auch jene, die auf Paragliding und Base-Jumping stehen).

Zu recht: Denn wie ein Kunstwerk von Gaudí wirkt die Küste von der Aussichtsplattform aus mit ihren rechteckigen Terrassenfeldern, die Fajãs von Rancho und Cabo Girão, die von einem weißen Strich Brandung vom Meer abgegrenzt werden. Auch die Städte Câmara de Lobos und Funchal liegen dir hier zu Füßen. Da verwundert es fast, dass kein Eintrittsgeld erhoben wird.

Cabo Girão Skywalk Madeira
580 Meter über dem Meer: Cabo Girão ist die zweithöchste Steilklippe der Welt ©Bjørn Christian Tørrissen/Wikimedia Commons

Dein Weg zum Skywalk: Die Steilklippe liegt im Süden Madeiras und ist von Funchal aus mit dem Mietwagen in westlicher Richtung über die VR1 zu erreichen. Funchal wiederum wird von vielen deutschen Städten aus angeflogen und wartet mit zahlreichen schicken Hotels auf dich.

Meer in Sicht: Langkawi Skybridge, Langkawi (Malaysia)

Die längste freigespannte und kurvig verlaufende Fußgängerbrücke der Welt – so bewerben die Betreiber ihr 2005 eröffnetes Filigran-Konstrukt aus Stahl und Glaselementen, das sich seitdem durch die tropisch-grüne Wildnis am Berg Mat Cincang in knapp 700 Metern Höhe auf der Hauptinsel Pulau Langkawi windet.

An den beiden Enden der 125 Meter langen und 100 Meter über dem Grund per Helikopter installierten Brücke, die du nur über eine Seilbahn erreichen kannst, befinden sich Aussichtsplattformen. Auch von dort ist das Panorama über die Inselrücken, die sich aus der Andamanensee erheben, wunderschön. Der Preis von umgerechnet 1 Euro wird an der Bergstation der Seilbahn entrichtet.

Langkawi Sky Bridge
Sky Bridge: Maximal 200 Personen dürfen sich gleichzeitig auf der kurvenförmigen Brücke befinden ©SirMart Outdoorgraphy/Shutterstock.com

Dein Weg zum Skywalk: Langkawi erreichst du mit dem Flugzeug über die malayische Hauptstadt Kuala Lumpur. Das Langkawi SkyCab befindet sich im Westen der Insel und damit etwa 20 Minuten vom Flughafen entfernt. Langkawi selbst hat alles, was man für ein paar erholsame Tage braucht: Großartige Strände, eine faszinierende Unterwasserwelt und Hotels, die den Urlaub perfekt abrunden.

Dem Himmel so nah: Coiling Dragon Cliff Skywalk, Hunan (China)

Statt sich von Berg zu Berg zu spannen, schmiegt sich der im Sommer 2016 eröffnete Coiling Dragon Cliff Skywalk in der chinesischen Provinz südchinesischen Hunan an die steilen Flanken des Tianmen Mountain. Es ist eine der vielen spektakulären Erhebungen im riesengroßen Zhangjiajie National Forest Park mit seinen in den Himmel ragenden Sandsteinsäulen. Rund 100 Meter ist der gläserne Balkon lang, und nur gut anderthalb Meter breit.

Aber in die Tiefe, direkt unter den Füßen mit einem bisschen Glas dazwischen, geht es 1400 Meter! In der Gegend sind die Konstrukteure solcher Bauwerke für Besucher ohne Höhenangst und mit viel Vertrauen in die Statik sehr umtriebig. Denn es gibt zwei weitere Höhen-Attraktionen, darunter die derzeit mit 430 Metern längste Glasbodenbrücke der Welt, die sich in 300 Metern über einen Canyon spannt. Aufgrund des Besucheransturms im September, zwei Wochen nach Eröffnung, wurde sie sogar zeitweise wieder gesperrt.

Aber auch der Ausblick vom Coiling Dragon Cliff Skywalk aus in die bizarre Bergwelt ist eine Nummer für sich. Und wer sich traut, den Blick nach unten zu senken, sieht 99 Serpentinen: die Tongtian Avenue, frei übersetzt: „Chaussee zum Himmel“.

Coiling Dragon Cliff Skywalk
Lässt irre Perspektiven zu: der Coiling Dragon Cliff Skywalk ©vichie81/Shutterstock.com

Dein Weg zum Skywalk: Der Abenteuerberg Tianmen Mountain befindet sich südlich der Stadt Zhangjiajie (Hunan, China). Die Stadt erreichst du via Peking mit dem Flugzeug. Von Zhangjiajie fahren zwar Busse zum Berg, noch besser (allein schon wegen der Orientierung und Verständigung vor Ort) ist es, wenn du in der Stadt eine geführte Tour buchst. Im Ort gibt es eine gute Auswahl an Hotels. Am einfachsten und spektakulärsten gelangst du mit der längsten Seilbahnfahrt der Welt zum Berg: Die Gondeln fahren im Ort gleich in der Nähe des Bahnhofs und Busbahnhofs los. Sie benötigt 30 Minuten für die rund 7 Kilometer lange Strecke. Oben angelangt sind es noch 600 Wander-Meter bis zum Coiling Dragon Cliff Skywalk.

Felsiger Predigtstuhl: Preikestolen, Ryfylke (Norwegen)

Dass nicht unbedingt der Mensch mit waghalsiger Architektur eingreifen muss, um ein Optimum an Adrenalin freizusetzen, belegt dieses Felsplateau namens Preikestolen (“Predigtstuhl”) in der Provinz Rogaland in der Stavanger-Region. Als hätte jemand am Reißbrett geplant, scheint diese 25 mal 25 Meter messende Kanzel nahezu in der Luft zu schweben – 600 Meter über dem Lysefjord, der sich über 40 Kilometer ins Land schneidet.

Tatsächlich vermutet man, dass das Gebilde durch eine Frostsprengung vor über 10.000 Jahren entstand. Dabei gefror Wasser in den Felsspalten und dehnte sich aus, bis der Stein abrupt nachgab.

Preikestolen Skywalk
Beim norwegischen Preikestolen war die Natur der Designer ©Versta/Shutterstock.com

Dein Weg zum Skywalk: Die Aussicht auf der monumentalen Granitplatte musst du dir erarbeiten. Vom letzten Parkplatz an der Preikestolhytta sind es knapp vier Kilometer, es geht über eindrucksvolle Geröllfelder, bis sich der riesige Felsklumpen vor einem auftut. Anders als bei teils überteuerten Skywalks kostet das Betreten der Plattform keinen Eintritt. Wenn du mit dem Auto kommst, musst du nur niedrige Parkgebühren zahlen. Alternativ kannst du von Anfang April bis Ende September ab Tau mit dem Bus zur Hütte gelangen. Übernachten kannst du in Stavanger, eine Stadt zwischen Nordsee und Fjord, die landschaftlich einfach bezaubernd ist und neben wartet dem Skywalk mit einem schnuckeligen Hafen und einer bunten Altstadt aufwartet. Hinkommen? Mit dem Flugzeug.

Headerbild Nanisimova/Shutterstock.com

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