Bei Billigfluggesellschaften ist die irische Airline Ryanair so etwas wie der europäische Maßstab. Mit 183,7 Millionen Passagieren im letzten Geschäftsjahr ist Ryanair die größte Airline Europas nach Passagierzahlen – und weltweit die drittgrößte nach American Airlines und Delta.
Das Streckennetz umfasst über 220 Flughäfen in 36 Ländern, die sich fast ausschließlich in Europa befinden. Besonders stark ist Ryanair auch in Marokko vertreten: Hier fliegt die Airline zwölf Flughäfen an und nutzt zudem eine Basis in Tanger.
Doch die Airline ist weniger für ihre Größe, als für etwas ganz anderes bekannt. Ryanair genießt den zweifelhaften Ruf, eine der schlechtesten Kundenerfahrungen überhaupt zu bieten – viele meiner Freunde weigern sich sogar, mit ihnen zu fliegen. Auf einem Flug von London Stansted nach Köln habe ich zum Beispiel erlebt, wie ein Gate-Mitarbeiter eine Passagierin als Lügnerin bezeichnete, als sie darauf bestand, bereits für ihre Gitarre an Bord gezahlt zu haben. Die Airline ist berüchtigt dafür, bei jeder Gelegenheit versteckte Gebühren zu erheben. Dazu kommen der wenig kulante Kundenservice und der Komfort, der – freundlich formuliert – minimalistisch ist.
Und trotzdem gilt: Wenn du innerhalb Europas fliegen musst, kommt kaum eine Airline an Reichweite und Preise von Ryanair heran. Ich selbst fliege mindestens einmal im Monat mit Ryanair und habe gelernt: Wenn du weißt, was dich erwartet und wie das Preissystem funktioniert, bekommst du fast nirgendwo so viel Flug für so wenig Geld.
Tarife und Klassen
Ryanair ist zu 100 Prozent eine Economy-Airline – andere Klassen gibt es nicht. Die Tarifstruktur ist allerdings komplexer, als sie auf den ersten Blick wirkt. Neben Basic, Regular, Plus, Family Plus und Flexi Plus existiert auf manchen Strecken zusätzlich noch der Tarif Time Saver.
Die Flotte besteht fast vollständig aus Boeing 737-Maschinen in verschiedenen Varianten, die sich in der Kabinenkonfiguration kaum unterscheiden. Sie kommen auf Kurz- und Mittelstrecken zum Einsatz. Dazu verfügt Ryanair über 26 Airbus A320 – bei insgesamt 641 Flugzeugen. Der längste Flug geht mit rund 4100 km Länge von Warschau nach Teneriffa und dauert knapp sechs Stunden.
Die meisten Flüge sind Kurz- bis Mittelstrecken. Eine bekannte – und irgendwie passende – Randnotiz: Die durchschnittliche Flugdistanz bei Ryanair lag früher bei 666 Meilen, der berüchtigten „Zahl des Teufels“. Inzwischen ist sie auf rund 780 Meilen gestiegen.
Ein Hinweis, bevor du buchst: Ryanair ist berüchtigt für seine strengen Regeln zu den Handgepäckmaßen. Passagiere werden am Gate willkürlich herausgewunken, um die genauen Maße ihres Handgepäcks zu kontrollieren. Wenn Zweifel bestehen, wird dein Handgepäck eingecheckt – inklusive hoher Zusatzgebühr. Am sichersten fährst du, wenn du dich strikt an die angegebenen Maße hältst. Interessanterweise habe ich jedoch noch nie erlebt, dass größere Handgepäckstücke gewogen und auf das vorgegebene Maximalgewicht von 10 kg überprüft wurden.
Ryanair-Tarif – Basic
Der günstigste Tarif ist gleichzeitig der einzige, der dir bei der Flugsuche zunächst angezeigt wird – ein bewährter Trick, um später Zusatzleistungen zu verkaufen. Im Preis enthalten ist lediglich ein kleines Handgepäckstück (40 × 30 × 20 cm) – etwa ein Rucksack oder eine Laptoptasche – das unter den Vordersitz passen muss. Mehr ist nicht erlaubt.
Standard-Sitze werden dir automatisch zugewiesen, sobald der Check-in 24 Stunden vor Abflug öffnet. Vergiss nicht, online einzuchecken, denn wenn du das erst am Flughafen machst, wird eine Gebühr fällig. Upgrades kannst du während der Buchung jederzeit hinzufügen, jeweils gegen Aufpreis. Ich persönlich finde dieses Baukastensystem gut, denn du zahlst nur für das, was du wirklich brauchst.
Ryanair-Tarif – Regular
Der nächsthöhere Tarif beinhaltet zusätzlich ein großes Handgepäckstück bis 10 Kilogramm (55 × 40 × 20 cm), eine freie Sitzplatzwahl sowie Priority Boarding. Priority Boarding ist ebenfalls inklusive, sodass du als einer der Ersten an Bord gehen kannst. Klingt gut – ist aber eine der typischen Ryanair-Fallen.
Der minimale Service von Ryanair beginnt leider schon beim Boarding. Priority Boarding bedeutet zwar, dass du als einer der Ersten durch das Gate gehen kannst. Allerdings versucht Ryanair oft, die Passagiere hier so schnell wie möglich abzufertigen, um keine Verspätungsgebühren an den Flughafen zahlen zu müssen – selbst wenn das Flugzeug noch gar nicht bereit ist.
Also pfercht das Bodenpersonal die Passagiere nach der Abfertigung hinter dem Gate in der Gangway oder auf der Treppe zusammen.
In diesem Fall bedeutet Priority Boarding also einfach nur, dass du besonders lange unter besonders unangenehmen Bedingungen auf den Einstieg wartest. Da die Sitzplätze im Flugzeug ohnehin zugewiesen sind, gibt es keinen wirklichen Vorteil, als Erster an Bord zu gehen. Ich steige deshalb bewusst so spät wie möglich ein – so verbringe ich weniger Zeit im Flugzeug und habe die Möglichkeit, nach freien Plätzen zu schauen, falls ich einen der ungeliebten Mittelsitze erwischt habe.
Ryanair-Tarif – Plus
Der Plus-Tarif ist eine Mischung aus Basic- und Regular-Tarif. Du darfst ein kleines Handgepäckstück mitnehmen und deinen Standard-Sitzplatz wählen. Priority Boarding ist hier nicht inklusive, was jedoch wie gesagt kein großer Verlust ist. Anstelle eines zweiten 10-kg-Handgepäcks kannst du ein 20-kg-Gepäckstück einchecken – praktisch, wenn du eine größere Reise planst. Der Plus-Tarif ist der einzige Tarif für Alleinreisende, bei dem das Aufgabegepäck im Preis enthalten ist.
Ryanair-Tarif – Flexi Plus
Flexi Plus ist die teuerste Option. Enthalten sind kleines und großes Handgepäck, Priority Boarding, Sitzplatzreservierung (inklusive Plätze mit mehr Beinfreiheit), kostenlose Umbuchungen sowie Fast Track an der Sicherheitskontrolle. Ich persönlich habe jedoch noch nie ein Flexi Plus-Ticket gebucht, weil ich finde, dass die inbegriffenen Vorteile den hohen Aufpreis einfach nicht rechtfertigen.
Ryanair-Tarif – Family Plus
Der Family Plus-Tarif ist für bis zu sechs Personen pro Buchung verfügbar, solange mindestens ein Kind oder Teenager dabei ist. Wenn deine Gruppe diese Kriterien erfüllt, genießt ihr ähnliche Vorteile wie bei der Flexi Plus-Option.
Der Tarif beinhaltet für jeden Passagier ein kleines Handgepäckstück sowie ein Aufgabegepäckstück mit 10 kg pro Gruppenmitglied (kein großes Handgepäck). Zusätzlich ist ein 20 kg-Familienkoffer als Aufgabegepäck enthalten. Sitzplatzreservierungen für Kinder unter 12 Jahren sind kostenlos, für Erwachsene fallen jedoch zusätzliche Kosten an.
Welcher Tarif ist am besten?
Meiner Meinung nach ist der Basic-Tarif von Ryanair die beste Wahl. Priority Boarding oder der Check-in am Flughafen bieten für mich keinen echten Mehrwert, sodass es sich nicht lohnt, dafür extra zu zahlen. Aufgabegepäck buche ich bei Ryanair inzwischen gar nicht mehr, weil ich nach der Landung nicht am Gepäckband warten möchte – und das kann ewig dauern. Stattdessen buche ich den Basic-Tarif und füge bei Bedarf ein großes Handgepäck hinzu, was insgesamt günstiger ist als der Regular-Tarif.
Da die meisten Flüge nur ein bis drei Stunden dauern, sehe ich keinen Grund, extra für einen Gangplatz, einen Fensterplatz oder mehr Beinfreiheit zu zahlen. Wenn du dennoch einen Fensterplatz buchst, meide unbedingt Sitz 11A. Dieser Platz ist berühmt-berüchtigt, weil er kein Fenster hat – es gibt sogar Memes zu Sitzplatz 11A. Der Grund dafür ist, dass an dieser Stelle der Boeing 737 ein Teil des Klimasystems verbaut ist, Ryanair das aber ignoriert und dennoch einen Sitz eingebaut hat. Bei den neueren Boeing 737 MAX 8-200 hat sich dieser fensterlose Platz auf 12A verschoben. Um auf Nummer sicher zu gehen, meide diese beiden Sitzplätze bei der Reservierung.
An Bord – Sitze, Beinfreiheit und Ausstattung
Die Economy Class bei Ryanair ist auf das Allernötigste reduziert. Alles ist so einfach wie möglich gestaltet, um die Preise niedrig zu halten. Es gibt keine Unterhaltung, kein WLAN, keine Steckdosen, keine Magazine (außer in der App), keine Decken oder Kissen – und nichts ist kostenlos. Durch die schnellen Wechsel zwischen zwei Flügen wirkt die Kabine zudem oft nicht besonders sauber.
Die Sitze sind mit 40 cm Breite ziemlich schmal und bieten 76 cm Beinfreiheit, was Standard für die meisten Billigflieger in Europa ist. Sie sind außerdem ziemlich dünn, hart und lassen sich nicht verstellen, aber für ein paar Stunden ist das gut auszuhalten.
An Bord sind einfache Gerichte, Snacks und Getränke verfügbar. Die Preise sind gepfeffert, doch dafür bekommst du hochwertiges Essen von bekannten Marken. An Bord gibt es ein Bordmagazin, in dem alle Produkte aufgeführt sind. Alternativ kannst du vorab in der App nachsehen – auf einigen Strecken ist dort auch eine Vorbestellung möglich. Es kommt öfter vor, dass Produkte an Bord ausverkauft und nicht mehr erhältlich sind. Und nach Eiswürfeln brauchst du gar nicht erst zu fragen – keine Chance!
Trotz aller Gruselgeschichten, die man so hört, habe ich mit dem Kabinenpersonal von Ryanair bisher nur gute Erfahrungen gemacht (bei der Bodencrew sieht das allerdings anders aus). Die Crew ist meist international, jung und freundlich. Dazu arbeitet das Team in der Regel effizient und ist geübt im Umgang mit unzufriedenen Passagieren oder lauten Gruppen – beides typisch für einen Ryanair-Flug.
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